Werders Gruselkick gegen Gladbach endet halbwegs versöhnlich
Werder Bremen müht sich gegen Borussia Mönchengladbach zu einem 1:1. Die Fans am Osterdeich sind ungeduldig, und die Mannschaft kämpft mit der Tabellensituation.
Die große Hoffnung auf den ersehnten Befreiungsschlag ist geplatzt, der SV Werder Bremen hat am Samstagnachmittag im bedeutungsschwangeren Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach aber immerhin einen Punkt geholt. Beim 1:1 (0:0) gegen die keineswegs überzeugende Elf vom Niederrhein taten sich die Gastgeber aber enorm schwer, die Nerven der Fans wurden außerordentlich strapaziert. Wie angespannt die Lage am Osterdeich ist, zeigte sich in der Ostkurve auch noch einmal vor der Partie, wo einige Ultras unmissverständliche Worte gewählt hatten. „Die Geduld ist nicht grenzenlos. Das Schöngerede muss jetzt enden“, stand dort auf einem großen Banner geschrieben. „Es zählen nur noch Ergebnisse.“ Das Remis war da immerhin halbwegs brauchbar, das Zustandekommen taugt aber nicht für große Begeisterungsstürme.
Im Vergleich zum vergangenen Dienstag, als Werder mit 0:2 im Nachholspiel gegen Hoffenheim verlor, veränderte Trainer Horst Steffen seine Startelf auf zwei Positionen. Abwehrchef Marco Friedl kehrte nach abgesessener Gelbsperre zurück, darüber hinaus verdrängte Samuel Mbangula Leih-Stürmer Jovan Milosevic auf die Bank. Neben dem Belgier waren auch Romano Schmid und Justin Njinmah in der Bremer Offensive unterwegs, dahinter bildeten Senne Lynen und Jens Stage das gewohnte Mittelfeld-Duo. Neben Kapitän Friedl komplettierten Yukinari Sugawara, Julian Malatini, Karim Coulibaly sowie Olivier Deman die Fünferkette vor Torhüter Mio Backhaus.
Beiden Mannschaften war von Beginn an der Druck anzumerken, der auf ihnen tabellarisch lastet. Theorie und Praxis lagen daher auch an diesem tristen Januarnachmittag wieder weit auseinander. „Ich bin überzeugt davon, dass die letzten paar Prozent heute aufs Feld kommen“, hatte Trainer Horst Steffen unmittelbar vor dem Anpfiff am „Sky“-Mikrofon gesagt. Zu sehen war davon herzlich wenig. Das Geschehen auf dem Rasen war wenig ansehnlich, denn vorrangig ging es den Teams darum, bloß keinen verhängnisvollen Fehler zu machen. Das minimierte die Quote an spielerischen Unzulänglichkeiten allerdings nur bedingt, ein wirklicher Spielfluss kam – auch wegen des tiefen Bodens – nie richtig auf.
So war es im ersten Durchgang ein wirklich schwaches Fußballspiel, das für wenig Spaß sorgte und in dem es kaum Höhepunkte gab. Die erste und einzige gute Werder-Chance hatte Njinmah, der nach einem Konter über Mbangula jedoch aus zu spitzem Winkel zum Abschluss kam und deshalb genau Gladbach-Keeper Moritz Nicolas anschoss (20.). Der Rest wirkte ziemlich uninspiriert und ideenlos. Kurzum: Eigentlich konnte es im zweiten Abschnitt nur besser werden.
Zumindest ging es nach dem Seitenwechsel recht schwungvoll los. Erst wurde ein Sugawara-Schuss pariert (47.), dann verpasste der Japaner nach einer Deman-Ecke per Kopf eine Coulibaly-Verlängerung (49.). Werder hatte in dieser Phase die Kontrolle übernommen, mühte sich um weitere Akzente – und wurde dann aus dem Nichts ausgekontert. Lynen und der weit aufgerückte Friedl konnten zwei schnelle Pässe der Gäste nicht unterbinden, Coulibaly ließ Franck Honorat entwischen. Eine Ablage später schob Haris Tabakovic zum 0:1 aus Bremer Sicht ein (62.). In der Blitztabelle war Werder dadurch auf den Relegationsrang abgerutscht.
Steffen reagierte sofort, brachte Jovan Milosevic sowie Marco Grüll für Njinmah und Sugawara. Kurz darauf kam auch noch Isaac Schmidt für Malatini – samt Umstellung auf eine Viererkette in der Abwehr. Werder rannte mehr und mehr die Zeit davon, und dann kam auch noch Pech dazu. Erst scheiterte Schmidt aus spitzem Winkel, dann setzte Lynen den Ball Sekunden später an den Pfosten (84.). Auch Deman brachte den Ball aus guter Position nicht im Tor unter (87.). Auf der Gegenseite verhinderte Backhaus dann noch das 0:2 gegen Shuto Machino (90.+1), ehe das Weserstadion doch noch zum Tollhaus wurde. Nach einer Ecke kam der eingewechselte Keke Topp an den Ball, hämmerte den Ball sehenswert zum Ausgleich in die Maschen (90.+4) und rettete so womöglich auch den Job seines Coaches. Ein mehr als verdienter Treffer, der die Gemüter zumindest etwas beruhigt haben dürfte. Doch die Situation bleibt brandgefährlich. (Quelle: NWZonline)