Stark sieht Gelb-Rot - Bundesliga-Debüts in Bremen
Coulibaly setzt dem Werder-Wahnsinn die Krone auf
Bremens Trainer Horst Steffen musste zum Liga-Start direkt mal ein heftiges 1:4 bei der Frankfurter Eintracht verdauen und nun bei seinem Heim-Debüt im Weserstadion auch noch auf Kapitän Friedl (Innenbandläsion im Knie) sowie Malatini (Bänderverletzung im Sprunggelenk) verzichten. Dafür stand der erst kürzlich verpflichtete Sugawara direkt in der Startelf, in der sich erstmals auch der erst 18-jährige Coulibaly wiederfand. Mit Covic spielte ein weiterer 18-Jähriger von Beginn an, der Kroate ersetzte bei seinem Bundesliga-Debüt Bittencourt (Bank).
Bei der Werkself drehte sich das Personalkarussell weiter in einem ordentlichen Tempo, so stand der Abgang von Hincapie zum FC Arsenal bevor. Wohl auch deshalb saß der Ecuadorianer lediglich auf der Bank. Coach Erik ten Hag brachte nach dem 1:2 gegen Hoffenheim drei Neue: Die Sommer-Neuzugänge Tape, der sein Bundesliga-Debüt feierte, Kofane und Tillmann (erstes Pflichtspiel für Bayer) spielten anstelle von Hincapie, Arthur und Maza (alle Bank).
Coulibaly mit dem frühen Fauxpas
Gerade einmal fünf Minuten waren gespielt, da unterlief Coulibaly ein folgenschwerer Lapsus: Der junge Verteidiger passte mit viel zu viel Risiko quer, Tella spritzte dazwischen und sprintete quer über das Feld nach vorn. Er ließ Stark stehen und narrte auch noch Agu, ehe er von der linken Grundlinie aus nach hinten zum nachrückenden Schick passte. Der Tscheche dankte und vollstreckte vom Elfmeterpunkt zum frühen 1:0 - das erste Gegentor für Werder nach zuvor vier Heimspielen, in denen man zu null gespielt hatte.
Auffällig war, dass Leverkusen den Hanseaten in der Anfangsphase immer wieder den Ball überließ und selbst nur punktuell attackierte. Die Werkself kontrollierte dennoch das Spiel, profitierte aber auch davon, dass es Werder an Durchschlagskraft mangelte. Bis auf zwei Abschlüsse von Njinmah (14.) und Grüll (18.) war von den Gastgebern lange Zeit wenig zu sehen. Und Bayer? Das fand offensiv ebenfalls kaum statt. Die Partie spielte sich daher viel zwischen den Strafräumen und weniger in selbigen ab.
Schmid weckt Werders Lebensgeister
In der 35. Minute war es aber wieder so weit: Tape leitete einen Angriff mit einem tollen Kabinettstückchen auf der rechten Seite ein, der Ball wurde über Andrich und Grimaldo nach vorne zu Kofane getragen. Der flankte von links präzise nach innen zu Tillmann, der den Ball gekonnt mit der Schulter annahm und anschließend wie aus einem Guss mit links in die Maschen zum 2:0 vollstreckte (35.).
Bayer befand sich auf Siegkurs, ein ungeschickter Zweikampf von Tape gegen Mbangula aber weckte die Bremer Lebensgeister wieder: Schiedsrichter Robin Braun hatte zunächst laufen lassen, korrigierte sich jedoch nach VAR-Check und gab Strafstoß, den Schmid souverän zum 1:2 verwandelte (44.). Anschließend ging es in eine wilde Nachspielzeit, in der einerseits Coulibalys nächster Bock folgenlos blieb, weil Kofane nur die Latte traf (45.+1), und andererseits Mbangula (45.+2) sowie Grüll (45.+7, 45.+8) den durchaus möglichen Ausgleich verpassten.
Stark sieht die Ampelkarte
Hälfte zwei war dann zunächst nicht mehr ganz so rasant wie die Nachspielzeit von Durchgang eins. Das lag auch an Bayer, das nun höher stand, die Räume besser zumachte und Werder so weitgehend neutralisierte. Nach etwas mehr als einer Stunde leistete sich die Werder-Abwehr dann aber einen folgenschweren Aussetzer, als man bei Tapsobas langem Ball Kofane laufen ließ. Stark wollte noch retten, machte es aber nur noch schlimmer, indem er einen Elfmeter verursachte und obendrein auch noch die Ampelkarte sah (63.). Schick verwandelte den Strafstoß mittig - 3:1 (64.).
Flekken hätte es beinahe wieder spannend gemacht, als er mit seinem Abschlag Grüll im Sechzehner anschoss und anschließend tief durchatmete, nachdem der Österreicher drüber geschossen hatte (68.). So blieb es zunächst beim aus Bayer-Sicht entspannten 3:1, doch dann stachen Bremer-Joker: Der eingewechselte Bittencourt eroberte am eigenen Sechzehner den Ball, dann behauptete sich der eingewechselte Topp stark am Ball und spielte den langen Ball in den Lauf des eingewechselten Schmidt. Der Schweizer legte den Ball am voreilig herausstürzenden Flekken vorbei und schob anschließend aus über 20 Metern ins leere Tor ein (76.).
Wie schon in Hälfte eins bliesen die Bremer auch jetzt zur Aufholjagd - und übten auf einmal wieder viel Druck aus. Von der Unterzahl war nichts zu merken, Topp (80.) und Sugawara (83.) verpassten den Ausgleich, der ausgerechnet Coulibaly tief in der Nachspielzeit gelang. Bayer bekam den Ball nach der Ecke nicht geklärt. Schmidts Flanke von rechts landete bei Bittencourt, der schlug den Ball über sich hinweg nach innen und fand Lynen. Dessen Kopfball knallte ans linke Kreuzeck, ehe Coulibaly goldrichtig stand, zum 3:3 abstaubte und das Weserstadion in ein Tollhaus verwandelte. (Quelle: kicker)